Aus aktuellem Anlass: 

a) Psychotherapieplätze und politische Lage

b) das Corona-Virus

a) Psychotherapieplätze und politische Lage

Warum werden Psychotherapieplätze immer knapper? 

Wenn Sie lange auf einen Psychotherapieplatz warten müssen oder Sorge haben, keinen Behandlungsplatz zu finden, sind Sie damit nicht allein. Viele Menschen fragen sich, warum die Wartezeiten immer länger werden, obwohl psychische Erkrankungen zunehmen und qualifizierte Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten zur Verfügung stehen. Die Antwort liegt nicht in einer geringeren Bereitschaft der Praxis zu behandeln, sondern zunehmend in den gesetzlichen und politischen Rahmenbedingungen. 

 

Was hat sich verändert? 

Die Zahl psychischer Erkrankungen ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Gleichzeitig wächst der Bedarf an einer zeitnahen psychotherapeutischen Behandlung. Dennoch werden die Möglichkeiten, gesetzlich versicherte Patientinnen und Patienten ambulant zu versorgen, zunehmend durch gesetzliche Vorgaben und wirtschaftliche Begrenzungen sowie politische Rahmenbedingungen eingeschränkt. 

Im Rahmen aktueller gesundheitspolitischer Reformen, insbesondere durch Veränderungen der Vergütung und Budgetierung psychotherapeutischer Leistungen, wird die Versorgung aktuell politisch stark begrenzt. Nicht der tatsächliche Behandlungsbedarf entscheidet künftig darüber, wie viele Menschen behandelt werden können, sondern zunehmend die gesetzlich vorgegebenen finanziellen Grenzen. Für viele psychotherapeutische Praxen kann dies dazu führen, dass trotz freier Behandlungskapazitäten weniger gesetzlich versicherte Patientinnen und Patienten aufgenommen werden können. Auch für meine Praxis mit einem vollständigen Versorgungsauftrag bedeuten die derzeitigen politischen Planungen, dass ich zukünftig voraussichtlich bis zu fast 50% weniger Behandlungsplätze zur Verfügung stellen kann. Der tatsächliche Behandlungsbedarf bei den Patientinnen und Patienten liegt jedoch deutlich darüber.


Was bedeutet das konkret für Sie? 

  • längere Wartezeiten
  • weniger verfügbare Psychotherapieplätze
  • spätere Behandlungsbeginne
  • schwierigere Krankheitsverläufe
  • mehr Arbeitsunfähigkeit
  • mehr stationäre Aufenthalte, die oft durch frühzeitige ambulante Behandlung vermeidbar gewesen wären



Psychotherapie hilft:

  • Leiden zu lindern
  • Krisen zu bewältigen
  • Lebensqualität zu erhalten


Eine Einschränkung der ambulanten Versorgung betrifft daher nicht nur einzelne Praxen, sondern unsere gesamte Gesellschaft!

 


Zahlen und Fakten:

Psychische Erkrankungen sind Volkskrankheiten:

Jedes Jahr erkrankt etwa jede vierte bis fünfte erwachsene Person in Deutschland an einer behandlungsbedürftigen psychischen Erkrankung. Depressionen, Angststörungen und Traumafolgestörungen gehören zu den häufigsten Erkrankungen überhaupt. 


Lange Wartezeiten:

Viele Patientinnen und Patienten warten mehrere Monate bis mehrere Jahre auf einen Therapieplatz. Während dieser Zeit verschlechtern sich Erkrankungen häufig oder werden chronisch. 


Psychotherapie wirkt:

Psychotherapie zählt zu den wissenschaftlich am besten untersuchten Behandlungsverfahren. Eine frühzeitige Behandlung kann 

  • Leiden verringern
  • Chronifizierungen verhindern
  • Arbeitsfähigkeit erhalten
  • stationäre Krankenhausaufenthalte vermeiden


Das eigentliche Problem:

Nicht weniger Menschen brauchen Hilfe, nicht weniger Therapeutinnen und Therapeuten möchten behandeln, sondern begrenzt wird die Finanzierung der Behandlung seitens der finanziellen Vorgaben und politischen Bestimmungen. Der Bedarf bleibt bestehen, aber die Wartezeiten werden deutlich länger.

Was können Sie tun? 

Ihre Stimme ist wichtig! Die Erfahrungen von Patientinnen und Patienten sind ein wichtiger Bestandteil gesundheitspolitischer Entscheidungen. Wenn Sie selbst von langen Wartezeiten in meiner Praxis oder in einer anderen Praxis betroffen sind oder Schwierigkeiten bislang hatten, einen Therapieplatz zu finden, können Sie dies den zuständigen Stellen mitteilen. Ihre Erfahrungen können dazu beitragen, die tatsächliche Versorgungssituation sichtbar zu machen und zu verbessern. 


Sie können sich wenden an: 

  • Ihre gesetzliche Krankenkasse
  • Ihren Bundestagsabgeordneten des Wahlkreises
  • das Bundesministerium für Gesundheit
  • als auch an die Medien


Mein Ziel ist es, Menschen mit psychischen Erkrankungen bestmöglich zu begleiten und ihnen eine hochwertige psychotherapeutische Behandlung anzubieten. Leider setzen die aktuellen gesetzlichen Rahmenbedingungen der ambulanten psychotherapeutischen Versorgung zunehmend Grenzen. 

Ich werde mich auch weiterhin mit großem Engagement für eine gute und bedarfsgerechte Versorgung meiner Patientinnen und Patienten einsetzen!
 
Vielen Dank für Ihr Verständnis!

b) das Corona-Virus:

Angesichts der Meldungen zur Verbreitung des Corona-Virus kann sich auch die Frage nach Schutz und Sicherheit vor einer Infizierung bei einem Aufenthalt in meiner Praxis stellen. 

Dazu möchte ich darauf hinweisen, dass Sie beim Betreten und Verlassen der Praxis direkt am Eingang Ihre Hände mit einem bereitgestellten Desinfektionsmittel desinfizieren können. Natürlich werde ich auch darauf verzichten, Ihnen bei Begrüßung und Verabschiedung die Hand zu geben. In meinen Wartebereichen haben Sie genügend Abstand zu ggf. einem anwesenden Mitpatienten. Die Sitzanordnung in meinem Behandlungszimmer sorgt dafür, dass genügend Distanz besteht. Wenn Sie darauf bestehen, können Sie auch während der Sitzung eigenverantwortlich eine Schutzmaske tragen oder mich darum bitten, einen 
„Spuckschutz“ aus Glas aufzusetzen.

Sofern Sie über einen Internetanschluss mit Kamera und Mikrophon verfügen (auch ein entsprechendes Handy ist geeignet), können Sie gern eine Videosprechstunde mit mir vereinbaren. Ich würde dann genauso einen Termin mit Ihnen vereinbaren wie bei einem persönlichen Kontakt. Mit der Kassenärztlichen Vereinigung ist geklärt, dass Videosprechstunden in einem gewissen Umfang genauso wie eine Therapiesitzung vor Ort vereinbart werden dürfen. Für nähere Informationen bezüglich des konkreten Vorgehens können Sie sich gern mit mir diesbezüglich besprechen.

Bitte beachten Sie: Im Fall einer ansteckenden Erkrankung (Viren und bakterielle Infektionen) als auch bei einem allgemeinen Krankheitsgefühl oder Erkältungssymptomen ist das Betreten meiner Praxis ohne eine vorherige Absprache verboten. In diesem Fall nehmen Sie bitte unverzüglich vorher Kontakt mit mir auf, so dass wir eine Lösungsmöglichkeit erarbeiten können- Ihre Therapiestunde muss in diesem Fall nicht entfallen! Dennoch möchte ich für meine Restpatientinnen und Patienten als auch für mich Sorge tragen, dass kein unnötig erhöhtes Ansteckungsrisiko entsteht.
 
Vielen Dank für Ihr Verständnis und Ihr Mitwirken!

Ratgeber zum Umgang mit der Coronavirus-Pandemie:
Eine psychotherapeutische Sichtweise aus der Akzeptanz- und Commitment-therapeutischen Perspektive (ACT)


Unten aufgeführt erhalten Sie einen Einblick in eine funktionalere Umgangsweise mit der Pandemie aus Sicht der wissenschaftlich fundierten und modernen Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT).

Viel Spaß beim Lesen und Dazulernen! 

Corona-Virus: Wie wir gelassen mit der Angst umgehen können 

(übermittelt von Joseph Ciarrochi, Professor für Psychologie, Sydney - Australien)


Wir erleben gegenwärtig eine gewaltige Bedrohung, die große Angst bereiten kann. Wir haben eine globale Pandemie und Angst ist eine natürliche Reaktion darauf. Wir können uns Angst als eine Botschaft vorstellen, die uns erzählt, dass etwas potentiell Schlimmes geschehen
könnte und dass wir etwas dagegen tun müssen.

Aber warum können manche Menschen in schwierigen Zeiten so schlecht damit umgehen?
 
Weil sie Angst nicht einfach als Botschaft verstehen, sondern als etwas an sich Schlechtes. Sie hassen die Angst und unternehmen eine Menge sinnloser Dinge, um sie loszuwerden.
Es ist wie wenn sie eine unerwünschte Nachricht, die sie auf ihrem Handy empfangen, und deshalb das Handy zerstören. Und dann zerstören sie auch noch die Handys der anderen.
Menschen gehen auf zweierlei Art schlecht mit Angst um.

Entweder leugnen sie die reale Bedrohung total oder vermeiden sie vollständig. Sie wollen keine Angst haben, und daher spielen sie die Pandemie herunter und verharmlosen sie, unternehmen auch keine Schutzmaßnahmen. Solche Menschen bringen sich und andere in Gefahr
bezüglich einer Corona-Infektion.

Der zweite ineffektive Weg, auf Angst zu reagieren, besteht in Überreaktionen und vielfältigem Aktionismus, die uns selbst und andere schaden, aber keinen wirklichen Schutz geben. Klopapier zu horten ist eine Überreaktion, die unsere Sicherheit wahrscheinlich nicht erhöht. Wir können auch auf Angst übertrieben reagieren, indem wir destruktive Dinge machen, wie z.B. zu versuchen, Gedanken an die Pandemie zu unterdrücken oder durch vermehrten Konsum von Alkohol, Essen oder Medienkonsum der Angst zu entkommen versuchen, sie können sich auch in Wut steigern, um ein Gefühl der Kontrolle zu bekommen, oder sich die ganze Zeit Sorgen machen. Es gibt Tausende von Wegen, auf Angst in destruktiver Weise zu reagieren.

Die Forschung ist in dieser Hinsicht ganz klar: Wenn wir versuchen, Angst zu leugnen, zu vermeiden oder darauf überzogen reagieren, dann wird die Angst umso schlimmer.

Die Menschen, die auf die Angst angemessen reagieren, sind diejenigen, die Charakter zeigen. Sie machen all die sieben Dinge, die nachfolgend beschrieben sind. Sie tun, was erforderlich ist, um sich und andere zu schützen und sie lassen sich nicht auf Verleugnung oder überzogene Reaktionen ein. Sie tun genau das, was erforderlich und notwendig ist - nicht mehr und nicht weniger.


Sieben Empfehlungen für eine realistische und gesunde Haltung:
 

  • Schließen Sie Frieden mit Ihrer Angst. Ihre Angst ist einfach Ihr Körper, der Ihnen sagt, dass Sie vorsichtig sein sollen. Versuchen Sie nicht, Ihre Angst zu bewältigen, indem Sie die Gefahr leugnen oder vermeiden. Sie sollten auch nicht versuchen, ihre Angst zu bewältigen, indem sie auf sie überzogen reagieren. Geben Sie der Angst in Ihrem Körper Raum. Wenn Sie nicht dagegen ankämpfen, wird sie kommen und gehen wie das Wetter. Wenn es nützt, machen Sie Achtsamkeitsübungen, die es Ihnen ermöglichen, Angst auf achtsame und nicht abwehrende Weise zu erfahren. 


  • Machen Sie sich bewusst, was Ihnen sehr wichtig ist. Wenn Sie wissen, was Sie wertschätzen oder was Ihnen wirklich wichtig ist, sind Sie in der Lage, klar und entschieden zu handeln. Für die meisten Menschen ist es ein Wert, mit anderen verbunden zu sein, zu geben, aktiv zu sein, sich selbst zu fordern oder sich Herausforderungen zu stellen und die kleinen Dinge des Alltagslebens zu begrüßen. Was ist es, das Sie wertschätzen? Führen Sie Ihre wertgeschätzten Aktivitäten mit Engagement aus, auch wenn wir in einer Welt leben, die massiv bedrohlich ist und in uns Ängste auslöst. Menschen mit Charakter sind jene, die beherzt bei ihren Werten bleiben, auch wenn sie Angst haben. 


  • Machen Sie sich bewusst, dass es in gefährlichen Zeiten auch Chancen gibt. Das Corona-Virus konfrontiert Sie mit Gefahren und wird die Art, wie Sie leben, verändern (wenigstens zurzeit). Aber nicht alle Veränderungen müssen negativ sein. Vielleicht ist das Virus ein Weckruf, um Sie daran zu erinnern, dass Sie jetzt am Leben sind und dass es Menschen gibt, um die Sie sich kümmern und denen Sie mit Liebe begegnen können. Gefahr ist schon immer um uns herum dagewesen, aber wir haben sie oft nicht wahrgenommen. Wir haben nicht jeden Tag daran gedacht, dass wir einen Unfall haben oder unsere Gesundheit oder unseren Job verlieren können. Diese Dinge waren unsichtbar. Nun da die Angst Sie aufgeweckt hat, können Sie beginnen, sich neue Fragen in Bezug auf Ihr Leben stellen. Gibt es Möglichkeiten, wie Sie Ihr Leben zum Besseren wenden können? Können Sie zum Beispiel mehr Zeit mit Ihrer Familie verbringen? Können Sie nach neuen Wegen Ausschau halten, um sich persönlich weiterzuentwickeln oder Ihre Beziehungen zu verbessern? 


  • Fokussieren Sie auf das, was Sie im Moment tun können. Menschen sind gut darin, sich zu sorgen und vorzustellen, wie die Dinge furchtbar schiefgehen können. Es ist völlig in Ordnung, sich zu sorgen, das ist normal. Wir machen uns Sorgen, um Probleme zu lösen und Gefahren so gut wie möglich auszuschließen. Leider hat das sich Sorgen nur begrenzte Wirkung: Es kann Gefahren nicht wirklich beseitigen. Irgendwann, wenn wir die bestmöglichen Handlungen ergriffen haben, um uns zu schützen, müssen wir das sich Sorgen aufgeben und direkt im Hier und Jetzt leben. Fokussieren Sie auf das, was Sie tun können, um Ihr Leben zu verbessern, sich selbst was Gutes tun oder Freundschaft oder Liebe auszudrücken. 


  • Bleiben Sie in Verbindung. Eins der besten Dinge, die Sie tun können, um die Verbreitung des Corona-Virus einzudämmen, besteht darin, körperliche Distanz zwischen Ihnen und den anderen herzustellen. Denken Sie aber daran, dass körperliche Distanz nicht dasselbe ist wie psychologische Distanz. Sie können sich einer Person psychologisch nahe fühlen, auch wenn sie Hunderte von Kilometern entfernt ist. Und Sie können sich von jemand entfernt fühlen, auch wenn er direkt neben Ihnen steht. Während dieser Zeit der körperlichen Isolation ist es wichtig, psychologische Nähe zu Menschen zu haben. Es kann zusätzlichen Aufwand erfordern, jemand anzurufen oder mit ihm online zu chatten. Wir wissen, dass Menschen soziale Verbundenheit im selben Maße brauchen wie Nahrungsmittel. Forschungsergebnisse zeigen, dass Einsamkeit ein ebenso großer Risikofaktor für die Gesundheit ist wie Übergewicht und das Rauchen von 10 Zigaretten täglich. Vor dem Ausbruch von Corona haben Sie möglicherweise soziale Verbindungen durch Kontakte und Begegnungen in der Öffentlichkeit geführt. Nun müssten Sie sich bewusst darum bemühen, auf andere Weise mit Menschen in Kontakt zu kommen. Ihre Gesundheit hängt davon ab. 


  • Seien Sie gütig. Wenn Menschen unter Stress geraten, neigen sie manchmal dazu, egoistisch zu werden. Wir können auf unseren Stress reagieren, indem wir egoistisches Horten zeigen, z.B. alles verfügbare Klopapier oder Nudeln kaufen. Wir mögen feindselige Gefühle anderen gegenüber hegen, die offenbar mehr Vorteile haben oder die uns Ware wegzuschnappen scheinen, die knapp ist. Schnell können wir misstrauisch, verärgert und aggressiv werden. Wir wissen, dass solche negativen Emotionen unser Immunsystem belasten und ironischerweise uns noch mehr krankheitsanfällig machen können. Es gibt eine einfache Lösung für dieses Problem: Handeln Sie mit Güte und Freundlichkeit. Seien Sie großzügig. Dies wird nicht nur Ihren Mitmenschen freundlicher und großzügiger machen, sondern es wird Sie selbst glücklicher und gesunder machen. Forschungsergebnisse zeigen, dass gutherziges Verhalten Ihr Wohlbefinden verbessert.


  • Denken Sie daran, dass all dies vorübergehen wird. Die Forschung zeigt, dass Menschen notorisch schlecht darin sind, wenn sie vorhersagen sollen, wie lange ein negatives Ereignis sie beeinträchtigen wird. Menschen erholen sich von negativen Ereignissen viel schneller als sie denken. Denken Sie an einige der größeren Katastrophen der letzten 20 Jahre und wie wir Menschen in der Lage waren, uns davon zu erholen und die Katastrophen in die Vergangenheit zu stecken. Egal wie schlimm die Dinge momentan erscheinen, denken Sie daran, dass wir Menschen uns davon erholen und das Leben wieder besser wird.